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Bildquellenforschung
an architekturtopografischen Ansichten

Darstellungen von Architektur finden sich in allen Bildgattungen, in verschiedensten künstlerischen Techniken und von der Wissenschaft sehr unterschiedlich benannt. Die für den wissenschaftlichen Kontext sehr bewusst gewählte Bezeichnung „architekturtopografische Ansicht“ soll als Überbegriff aller zeichnerischen oder malerischen Ausprägungen verstanden werden, die den Anspruch erheben eine real existierende Architektur wiederzugeben und dies völlig unabhängig von ihrem künstlerischen Wert. Denn häufig besteht das aussagekräftigste Material „nur“ aus Skizzen oder unvollendeten Vorzeichnungen, die selten von Künstlern, vielmehr von Kartografen, Geografen, Historikern oder frühen Denkmalschützern geschaffen wurden.

Über die bekannten und publizierten Ansichtenwerke hinaus, warten eine große Anzahl von Bleistiftzeichnungen und Skizzenbücher mit besonders wertvollen bauhistorischen Inhalten auf ihre Aufarbeitung und in einigen Fällen erst auf die Bestimmung der gezeigten Architektur bzw. auf deren Künsterzuschreibung. Eine Bewertung der Architekturansichten, ihrer Bildsprache und Charakteristik, ist bis dato selbst bei den bekanntesten Architekturtopografen kaum erfolgt. Da die Grundlagenforschung in diesem Bereich fast völlig fehlt, können die daraus gezogenen Erkenntnisse im Rahmen der Bauforschung auch nur einen Bruchteil der in ihnen vorhandenen Informationen liefern. Benötigt wird über eine primär kunsthistorische Erforschung über Leben und Werke eines Künstlers hinaus, auch eine kritische Bewertung und Beurteilung der Ansichten als historisches Dokument. Stützt man sich auf eine architekturtopografische Ansicht so muss im Vorfeld abgeklärt werden unter welchen Umstände und in wessen Auftrag die Darstellung entstand sowie welche Bildsprache, Charakteristiken und Eigenheiten des Künstlers in der Ansicht zu erwarten sind, um letztendlich aus allen gesammelten Informationen Erkenntnisse über den Realitätsanspruch und die Bildaussage zu gewinnen.

Die Forschungen konzentrieren sich darauf das Leben einzelner fassbarer Architekturtopografen aufzuarbeiten, ihr Werk zusammenzutragen, in manchen Fällen überhaupt erst eine Ansichtenbestimmung vorzunehmen und ihre Arbeiten an Hand von einzelnen, aussagekräftigen Objekte miteinander und mit der Realität zu vergleichen. Das primäre Ziel ist Künstler und frühe Denkmalschützer, die zumindest eine größere Anzahl von architekturtopografischen Ansichten geschaffen haben, nutz- und fassbar zu machen. In diesem Rahmen werden laufend rund zwanzig Architekturtopografen der Steiermark, unter anderem Johannes Clobucciarich (ca. 1545 – ca. 1606), Georg Matthäus Vischer (1628–1696), Josef Scheiger (1801–1886), Carl Haas (1825–1880), Carl Reichert (1836–1918) und Johann Graus (1836–1921), bearbeitet.

(Monika Küttner)