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Grazer Burg

Im Zuge von Umbaumaßnahmen im Jahr 2010 im Bereich des so genannten Karlsbaus, jenem 1570/71 erbauten, langgesteckten Trakt im Osten der Grazer Burg, der direkt an das Burgtor anschließt, wurden bei Erdarbeiten im Lagerbereich der Mensa mehrere Fragmente menschlicher Schädel aufgedeckt. Die überraschenden Schädelfunde führten zu einer archäologischen Grabung, die letztlich zwölf Tage dauerte. Die Grabung wurde parallel zu den laufenden Umbauarbeiten im Karlsbau durchgeführt. Dem Auftraggeber war es ein Anliegen, die bereits sichtbaren Bestattungen zu bergen, die darunter liegende Kulturschicht hingegen musste bleiben und wurde nur dokumentiert.

Aus wissenschaftlicher Sicht kann festgehalten werden, dass dieser Bereich des Karlstraktes auf einem Teil des alten, seit dem 13. Jahrhundert nachweisbaren Ägidius-Friedhofs situiert wurde. Im Zuge der Stadtmauererweiterung der Jahre 1335 bis 1337 wurde dieser Friedhof vermutlich aufgelassen. Ein kurzes Teilstück dieser Stadtmauer konnte im Zuge der archäologischen Grabung dokumentiert werden, die Ergebnisse der historisch-archäologischen Bearbeitung erbrachten eine Datierung in die 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts. Die von den Archäologen aufgedeckten Bestattungen wurden bei der Errichtung der Stadtmauer bzw. später der Burggebäude nicht gestört und blieben im Boden erhalten. Sie gehören zu der raren Form von Unterschichtgräbern, die sich durch Mehrfachbelegungen auszeichnen. In drei parallel angelegten Grabschächten konnten insgesamt zehn in situ befindliche Bestattungen freigelegt werden. Der Befund erbrachte, dass die Grabschächte nahezu gleichzeitig in den Boden eingetieft und sukzessive innerhalb kürzester Zeit mit den Bestattungen belegt worden waren. Die Grabschächte wurden mit verlagertem Erdmaterial, das bereits dislozierte ältere Bestattungen beinhaltete, aufgefüllt. Zwei Bestattungen können als besonders auffällig angesprochen werden:

Im mittlere Grabschacht 2 konnte zu unterst ein etwa 50jährigen Mann (Bestattung 10 / SE 39) freigelegt werden, bei dem bereits vor Ort im Bereich seines Schädels ein länglicher Eisengegenstand ausgemacht wurde. Dieser war unter dem rechten Auge in den Schädelknochen eindrungen und wurde ursprünglich als Armbrustbolzen, woraus auch die liebevolle Bezeichnung „Bolzen-Georg“ resultierte. Im südlichen Grabschacht 3 fand sich zu unterst das Skelett eines jungen Mannes (Bestattung 9 / SE 36), welcher im Alter zwischen 17 und 22 Jahren verstorben sein dürfte. Auffällig ist nicht nur seine Körperhaltung – er liegt mit leicht angewinkeltem linken Bein auf dem Bauch und wirkt „lieblos“ in die Grabgrube geworfen – sondern auch das Fehlen seines Schädels. Die Körperhaltung und das Fehlen des Kopfes lassen hinsichtlich Bestattung 9 die Vermutung zu, dass es sich um einen Hingerichteten handeln könnte.

Die Befunde und Funde dieser Grabung konnten unter Federführung von Astrid Steinegger (FIALE) in einem von der Stadt Graz (Abteilung Kultur und Wissenschaft), dem Land Steiermark (Referat für Wissenschaft und Forschung) und dem Bundesdenkmalamt (Abteilung Archäologie) teilfinanzierten Bearbeitungsprojekt untersucht werden. Die Ergebnisse wurden 2013 im 43. Band des Historischen Jahrbuchs der Stadt Graz publiziert.

(Astrid Steinegger)

HistorischesJahrbuch